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«Es war ein überwältigender Moment»
08.08.06 -- www.w-und-o.ch (Petra Eggenberger)
Die Buchserin Sarah Koba war mit der Vorstellung unter die Top Fünf zu fahren an die U23-EM nach Italien aufgebrochen. Zurückgekehrt ist die 22-Jährige mit der Goldmedaille. Sie schreibt damit nicht nur regional, sondern auch national Mountainbike-Geschichte.
Mountainbike. – «Na gut, innerlich wusste ich natürlich, dass es nicht nur für die Top Fünf sondern auch für eine Medaille reichen könnte, würde alles zusammenpassen. Ich staple aber im Vorfeld eines Rennen lieber eher tief, um mich, mein Umfeld und die Öffentlichkeit nicht zu enttäuschen», kommentiert Sarah Koba im Nachhinein ihre Aussage, welche sie im Vorfeld der U23-EM getätigt hatte. Dass sie schliesslich aber mit Gold belohnt werden sollte, das hatte selbst Koba nicht vorausgesehen: «Das kam für mich unheimlich überraschend. Auf keinen Fall hatte ich das erwartet.»
«Alles passte absolut zusammen» Doch von EM-Beginn weg hatte für die sympathische Werdenbergerin «einfach alles absolut zusammengepasst»: «Bereits auf dem Hinweg am vorletzten Donnerstag hatte ich ein gutes Gefühl. Und bei der Besichtigung des Kurses, welcher viele steile Passagen enthielt und nur selten über Wiesen führte, wurde mir bewusst, dass mir die Strecke mit ihrem Charakter entgegenkam.» Auch im Rennen selbst lief es für Koba vom Start weg rund: «Ich konnte sogleich vorne wegziehen und zusammen mit einer Tschechin die Führung verteidigen. Da sie auf der Wiese sehr stark fuhr und mir die steilen Passagen liegen, ergänzten wir uns sehr gut.» So puschte sich das Duo weiter gegenseitig voran und konnte die Führung ausbauen. «Ich merkte dann in der letzten Runde, wie die Kräfte der Tschechin nachliessen», erinnert sich Koba an den Rennverlauf, welcher sich zu ihren Gunsten wendete, «schliesslich musste sie in einer technisch schwierigen Passage gar vom Rad absteigen, worin ich natürlich meine Chance witterte.» Koba löste sich von der Junioren-Weltmeisterin von 2005 und fuhr so alleine dem Ziel entgegen. «Es war einfach ein überwältigender Moment, speziell, als mir kurz vor dem Ziel eine Schweizer Fahne entgegen gestreckt wurde», beschreibt die mehrfache Schweizermeisterin ihren Triumph. Nur ein Wehrmutstropfen sollte bleiben: «Leider konnte ich die Fahne, welche ich von einem Mann bekam, nicht halten, da sie zu schwer war. Ich musste sie kurz vor dem Ziel fallen lassen.» Dafür hatte Koba die Hände frei für den Siegjubel.
Als Europameisterin zur U23-WM «Kaum die Ziellinie passiert, ging dann alles enorm schnell, ja fast zu schnell. Ich wurde sogleich ins Pressezelt geschleppt, von da aus direkt weiter zu einer Brücke, auf welcher ich nebst zahlreichen Ski Alpin-Siegern unterschreiben sollte und schliesslich zur Siegerehrung und Pressekonferenz», erzählt Koba rückblickend. «Unzählige Hände gratulierten mir, Kameras waren überall und hinzu kamen die überwältigenden Gefühle bei der Siegerehrung und speziell dem Abspielen der Schweizer Hymne; ja, es war alles etwas gar viel auf einmal. Speziell, weil ich nicht damit gerechnet hatte», so Koba weiter. So richtig emotional wurde Koba laut eigener Aussage aber erst nach ihrer Rückkehr in die Heimat am Montag danach. «Am Samstag verbrachte ich noch einen Tag mit meiner Familie am Gardasee, am Sonntag wurde ich dann vom Club, meiner Familie und von zahlreichen Freunden zu Hause grossartig empfangen, so hatte ich nach einem kurzen ruhigen Moment in der Dopingkontrolle erst am Montag danach so richtig Zeit, das Ganze zu realisieren.» Wenn sie am nächsten Montag erneut mit gepacktem Koffer abreisebereit ist und das Flugzeug in Richtung Neuseeland betritt, um dort an der U23-WM anzutreten, wird Sarah Koba dies als frischgebackene Europameisterin tun. Alle Augen werden auf der anderen Seite der Erdkugel auf die Werdenbergerin gerichtet sein, worin die 22-Jährige Vor- und Nachteile sieht: «Ich bin eine, die sich innerlich generell eher zu viel als zu wenig Druck macht. Ich werde also versuchen, die WM als Zugabe zur EM zu sehen, denn EM-Gold kann mir nun ja niemand mehr nehmen.» Koba weiss auch: «In die Top Drei zu fahren wäre ein Traum und zugleich ein Ding der Möglichkeit. Aber wenn man sich zu sehr auf einen solchen Gedanken versteift, kann der Schuss auch schnell einmal nach hinten losgehen und man ist Fünfte oder noch weiter hinter den Medaillen zurück.»
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